Krankenhaus, Pflege

Pflegenotstand

Pflege: Hilferufe werden immer lauter!

17.1.2020

Landauf, landab werden die Hilferufe in den Krankenhäusern immer lauter. Der Schwarzwälder Bote berichtet jetzt von der katastrophalen Situation in den Kliniken in Rottweil und Villingen-Schwennigen, wo zusammen mehr als 100 Stellen mit Pflegepersonal nicht besetzt werden können und Betten gestrichen werden müssen. Der Bericht eines Auszubildenden verdeutlicht den Notstand in den Kliniken:

„Ich fühle mich wohl in meinem Beruf und mache ihn gerne. Allerdings sehe ich, dass viele Kolleginnen und Kollegen die Ausbildung nicht beenden, weil eine laienhafte Organisation und Personalführung viele Ausbildungsabbrüche provoziert.“

Bei florierender Wirtschaft ist auch die Abwanderung erfahrener Kräfte in die Industrie ein Thema (Arbeitszeit, Schichtdienst etc.). Die Sechs-Tage-Woche ist fast normal. Wenn eine Kollegin oder ein Kollege ausfällt (was oft vorkommt), muss jemand einspringen, oft der Azubi (jung und ohne Familie), was bedeutet, dass er dann 13 Tage am Stück arbeitet.

Hieraus resultierende Mehrarbeitsstunden werden nicht in freien Tagen abgegolten, sondern in späterem Schichtbeginn (z.B. Spätschicht statt 13.00 Uhr Beginn erst 14.00 Uhr), davon hat man nichts. Zwei Wochen Jahresurlaub am Stück und frühzeitig geplant sind nahezu unmöglich. Soziales Engagement, Vereinsarbeit und ähnliches in der Freizeit ist damit unmöglich.

Dies führt insgesamt zu einer Stimmung, in der krankheitsbedingter Ausfall gefördert wird, was die Situation natürlich noch verschlimmert.

Organisatorisch wäre manches schon durch gezielten Einsatz von Teilzeitkräften zu verbessern, zudem sind Teilzeitkräfte oft leichter bereit, Mehrarbeit zu leisten (Gegen Entgelt oder Zeitausgleich sollte den Arbeitnehmern überlassen werden). Die heute nahezu selbstverständliche Fünf-Tage-Woche sollte in Pflegeberufen verpflichtend eingeführt werden. Die nach EU-Urteil vorgeschriebene Arbeitszeiterfassung ist endlich auch konsequent umzusetzen. Mangelhafte Ausbildung zur Personalführung in der Pflegedienstleitung und in der Stationsleitung tragen wesentlich zum Personalmangel in Pflegeberufen bei. Es ist nicht oder nur am Rande die Bezahlung, problematischer ist das Umfeld.“

Die Gesundheitsorganisationen und das Sozialministerium des Landes, geführt vom Grünen Minister Lucha, versagen aus Sicht der FREIEN WÄHLER. Es ist dringend erforderlich, den Beruf und die Arbeitsbedingungen grundlegend zu verbessern. Dies ist vorteilhafter, als auf Arbeitskräfte aus anderen europäischen Ländern zu setzen. Die Hoffnung, bei diesen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern geringere Standards durchsetzen zu können, ist weder für Patienten noch für Angestellte eine akzeptable Lösung.