Alte Solaranlage – was tun?

Was tun, wenn die EEG-Förderung für die Photovoltaik ausläuft? 20.8.2020

Vor über 20 Jahren trat das Erneuerbare-Energien-Gesetz, bekannt unter dem Kürzel, „EEG“, in Kraft. Seit dem 1. April 2020 regelt es die bevorzugte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen ins öffentliche Stromnetz und garantiert Erzeugern eine feste Einspeisevergütung für ihr Engagement beim Klimaschutz.

Für Solarpioniere der ersten Stunde endet bereits ab Januar 2021 nicht nur die EEG Förderung, sie verlieren auch ihren Einspeisevorrang in das Stromnetz. Ihre Erneuerbare Energieanlage wird behandelt wie ein Großkraftwerk, mit allen Rechten und Pflichten. Wer seine PV-Anlage nach Auslaufen der EEG-Förderung genauso weiter betreibt wie zuvor, begeht eine Straftat, die sogenannte „Wilde Einspeisung“. Geregelt ist das in § 25 des EEG, sowie in § 61 a, Nummer 4 des EEG.

Nun kann es nicht politischer Wille sein, einerseits Energiewende zu predigen und gleichzeitig diejenigen zu kriminalisieren, die mit Mut und Engagement diese Energiewende angeschoben haben. Vorschläge zur Nachbesserung liegen seit langer Zeit auf den Tischen politischer Entscheidungsträger. Aktuell lässt eine gesetzliche Lösung für den einfachen Weiterbetrieb von Solarstromanlagen am Netz aber noch auf sich warten. Anlagenbetreiberinnen und Betreiber müssen nach Ende der EEG-Förderung also aktiv werden.

PV-Optionen für das Post EEG Szenario

Es könnte zwar sein, dass der Gesetzgeber bis Januar 2021 eine unkomplizierte gesetzliche Lösung für den Weiterbetrieb ausgeförderter Bestandsanlagen am öffentlichen Netz auf den Weg bringt. Trotzdem haben Betreiberinnen und Betreiber von Photovoltaikanlagen auch heute schon Möglichkeiten ihre Photovoltaik nach Ende der EEG-Förderung weiter zu nutzen, sogar am öffentlichen Netz!

  1. Aktuelle Bedingungen zum Weiterbetrieb als Einspeiseanlage.
  2. Weiterbetrieb für den Eigenverbrauch.
  3. Weiterbetrieb für Eigenverbrauch mit Stromspeicher.
  4. Abriss und Neubau.
  5. Direktvermarktung für kleine PV-Anlagen ab 1 Kilowatt-peak mit Stromvertrag.

Welche Lösung im Einzelfall die beste ist, hängt vom Einzelfall ab und ist individuell zu prüfen. Hier die Szenarien im Detail:

  1. Weiterbetrieb als Einspeiseanlage

Theoretisch die einfachste Lösung, leider aktuell rechtlich nur mit Direktvermarktung möglich. Photovoltaikanlagen, die nach Auslaufen der EEG-Förderung ohne Direktvermarkter noch Strom ins öffentliche Netz einspeisen begehen eine Straftat, die sogenannte „wilde Einspeisung. Wer das nicht möchte muss seine Anlage vom Netz nehmen.

Direktvermarktung von Photovoltaikanlagen war in der Vergangenheit ab 100 Kilowatt peak möglich. Für Anlagen unter 100 Kilowatt peak bieten einige Stadtwerke Direktvermarktung an, entweder als Kundenbindungsmaßnahme oder als Service für Stromkunden.

Auch der bundesweit tätige regionale Ökostromversorger Stromdao GmbH aus Mauer bietet für PV-Anlagen ab 1 Kilowatt peak Leistung Direktvermarkung an.

Die Pflicht zur sogenannten „sonstigen Direktvermarktung“ ergibt sich aus § 21b Erneuerbare-Energien-Gesetz: Jeder Anlagenbetreiber ist verpflichtet eine „Vermarktungsform“ zu wählen. Für ausgeförderte Anlagen steht nur die „sonstige Direktvermarktung“ als Vermarktungsform zur Auswahl, § 25 Nummer 4 Erneuerbare-Energien-Gesetz.

  1. Netzgetrennter Weiterbetrieb nur für den Eigenverbrauch

Ausgeförderte Photovoltaikanlagen dürfen für den Eigenverbrauch weiterbetrieben werden, wenn sichergestellt ist, dass die Anlage keinen Strom in das Öffentliche Stromnetz einspeisen kann. Nachzulesen unter § 61a „Entfallen der EEG-Umlage“. Für eine privat genutzte Photovoltaikanlage wird ein maximaler Eigenverbrauch von 30 Prozent angenommen.

  1. Netzgetrennter Weiterbetrieb und Eigenverbrauch mit Stromspeicher

Mit Stromspeicher kann bei ausgeförderten Photovoltaikanlagen der Eigenverbrauch gesteigert werden, wenn der Stromverbrauch am Standort vor allem am Abend und am frühen Morgen stattfindet.

Stromspeicher haben seit 2013 den Markt erobert und stehen heute für Privat- und Gewerbeanwendungen in praktisch allen Kapazitäts- und Leistungsklassen zur Verfügung. Die Erfahrung mit Stromspeichern hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass mit ihrer Hilfe rund 70 Prozent des am Standort erzeugten Sonnenstroms vor Ort genutzt werden kann. Auch mit Stromspeicher muss sichergestellt sein, dass kein Strom der Photovoltaik in das Netz eingespeist wird.

  1. Abriss und Neubau

Ganz und gar nicht nachhaltig, aber legal, ist der Abbau von ausgeförderten Anlagen und ein Neubau. Werden alle elektrischen Komponenten durch neue ersetzt gilt die Photovoltaik laut Gesetz als neue Anlage und erhält sowohl 20 Jahre Einspeisevergütung, als auch Einspeisevorrang. Die Bundesnetzagentur verweist für diesen Fall auf § 25 EEG, zusammen mit § 3 Nummer 30 EEG.

  1. Direktvermarktung ab 1 kWp PV-Leistung mit Stromliefervertrag

Rein wirtschaftlich orientierte Vermarkter werden kaum Photovoltaikanlagen unter 100 Kilowatt-peak in die Direktvermarktung aufnehmen. Dazu ist der Verwaltungsaufwand zu groß. Anders sieht es bei Stadtwerken und Ökostromanbietern aus, die Direktvermarktung von Photovoltaikanlagen unter 100 Kilowatt peak als Kundenbindungsmaßnahme verstehen, weil es ihrer Unternehmensphilosophie entspricht, oder weil sie Direktvermarktung kleiner PV-Anlagen mit einem Ökostromtarif kombinieren.

Bundesweit bietet der bereits erwähnte Ökostromanbieter Stromdao GmbH aus Mauer eine Direktvermarktung für Photovoltaikanlagen ab 1 Kilowatt-peak an, wenn Betreiberinnen und Betreiber einen Ökostromtarif abschließen. Interessierte können sich seit Juni beim Unternehmen registrieren und werden benachrichtigt, sobald ihre Anlage aus dem EEG herausfällt. Der Übergang in die Direktvermarktung erfolgt automatisch.

Fazit

Es gibt auch im Rahmen der aktuellen Rechtslage Möglichkeiten mit ausgeförderten Photovoltaikstandorten sinnvoll umzugehen, vom Eigenverbrauch ohne Netzeinspeisung, mit und ohne Stromspeicher, bis zum Weiterbetrieb als Einspeiseanlage mit Direktvermarktung mit Hilfe eines engagierten Stromversorgers.

Abriss und Neubau der ausgeförderten Photovoltaik ist wenig nachhaltig, aber es ist eine Option.

Die Hoffnung auf eine Gesetzeslösung noch bevor die ersten Photovoltaikanlagen aus der EEG-Förderung fallen ist eine unzuverlässige Option, denn selbst wenn Photovoltaikanlagen in Zukunft ohne Direktvermarktung am Netz weiterbetrieben werden können ist unklar, wie der eingespeiste Strom vergütet wird. Ein möglichst hoher Eigenverbrauch ist sicher wirtschaftlicher als die klassische Netzeinspeisung.

Ralf Wendel

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