Genderisierung des Abendlandes

Genderisierung des Abendlandes satirisch gesehen 3.06.2021

Die neueste Umfrage (WamS vom 23.5.21) berichtet, dass 68%  der Deutschen gegen die „Genderisierung“ der deutschen Sprache sind. Ganze 7% halten es für „sehr wichtig“ (statista, 2020). Zu diesen 7% gehört auch die Bundes­justizministerin Lambrecht (SPD).

Sie argumentiert: “Warum muss sich die Hälfte der Bevölkerung mitgedacht fühlen, wenn nur die männliche Form verwendet wird? Es sei kein Angriff, wenn man dies hinterfrage. Und es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass die Gleichstellung in Rechtsnormen auch sprachlich zum Ausdruck kommt.“

Mathematik kommt leider erst in der nächsten Legislaturperiode dran: immerhin sind 7% noch nicht ganz die Hälfte ist.

Aber lassen Sie uns spaßeshalber mal den Gedanken zu Ende führen. Das Ziel ist ja schließlich eine „Gleichbehandlung“. Diese ist im Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) festgeschrieben – allein: hier steht alles Mögliche drin, doch das Thema „Sprache“ wird dort unglücklicherweise nicht erwähnt – also offenbar keine gesetzliche Vorschrift, Frau Lambrecht!

Ein Ausblick, wie es weitergehen könnte:

  • Überall wo es nur geht, werden wir zukünftig ein *Innen einfügen (gesprochen wird es mit einer kurzen Pause statt dem Sternchen). Jede*Innen merkt schnell, dass das Sprechen dann etwas holpert.
  • Um das Ganze zu vereinfachen, sollten wir deshalb die männliche und weibliche Form dann schlicht entfallen lassen. Alles wird nur noch sächlich sein: Das Mann, das Frau, das Auto. Geht doch.
  • an dieser Stelle könnte man*Innen (oder „mensch“ kleingeschrieben?) glauben, bei der Gelegenheit könnten man*Innen auch die Pluralform*Innen und andere Fäll*Innen mit in den Griff*Innen bekommen. Richtig: das Genitiv*Innen hat’s ja schon erwischt – warum nicht jetzt den großen Wurf wagen?

Was wären die nächsten Schritte: Zuerst die Rechtsverordnungen und Gesetze genderisieren. Nach der Bundestagswahl ist das eine hervorragende Beschäftigung für Grünen, damit schaden sie am Wenigsten.

Dann die Literatur: Goethe, Schiller, Kant, Brecht: Heerscharen von Sprachkünstlern können sich jahrhundertelang mit deren Genderisierung austoben. Eine Revolution unter den Archäologen wird es in 500 Jahren geben, wenn die dann ein Original ausbuddeln.

Zurück zur Realität: Sprache hat sich immer wieder geändert, vornehmlich durch die Jugend. Das wird sich auch so bleiben; und das ist gut so. Dass nun Erwachsene immer noch diesem jugendlichen Tun anhängen, stimmt mich insoweit nachdenklich, wie erwachsen diese Menschen denn sind? Oder ob es sich nur um eine profane Kaschierung des inneren Nichts dreht? Solange man nur alles sprachlich auseinander reden kann, dass niemandem mehr auffällt, wie inhaltsleer die Rede war? Sprache also als Hülle nutzen, um des „Pudels Kern“ (Goethe, Faust, Prolog) zu verstecken. Gestreng dem Grundsatz: wenn der Redner keine Position einnimmt, ist er für alles oder auch für nichts. Dann ist dieser Politiker aber eben auch für nichts gut, von wegen „für alles“…

Die Freien Wähler stehen ausdrücklich für Sachpositionen, nicht für Worthülsen – das können die Etablierten schon genug.

Oder soll nur verdeckt werden, dass diese Leute keinerlei Erfahrung oder gar Führungserfahrung mitbringen? Nicht umsonst lernt jeder in der Wirtschaft: wer große Unternehmen führen will, sollte zumindest mal an einer kleinen Abteilung geübt haben. Wieviel mehr dann, wenn es um Deutschland geht – Worthülsen helfen dabei nicht mehr.

Erfahrung ins Parlament, keine Worthülsen-Plapperer.

Holger Krah

(alt-)sprachlicher Dinosaurier mit sogenanntem Großem Latinum.