Impfschnecke Deutschland

Es ist eine Sache, sich jeden Tag vor die Presse zu stellen und großer Erfolge herauszustreichen. Es ist eine andere Sache, so etwas Dilettantisches als Erfolg darzustellen. Deutschland erwartet also 20 Mio. Impfdosen bis Ende April, so berichtet voller Stolz unser Gesundheitsminister Spahn. 20 Mio. Dosen in 38 Tagen, macht etwas über 500.000 Dosen pro Tag. Zumindest, wenn nicht alles am letzten Tag geliefert wird, falls es überhaupt geliefert wird. Geliefert heißt zudem noch lange nicht verteilt und schon gar nicht verimpft. Wie machen es andere Länder?

Die USA impfen in der gleiche Zeit 95. Mio. Impfdosen weg. Das bedeutet: rund jeder dritte Amerikaner ist in der gleichen Zeit einmal geimpft. Jaja, ich weiß, Amerika first: die geben uns nix ab. Unsinn.

Gut, nehmen wir Chile. Chile? Ja, Chile impft 5x schneller als Deutschland. Und das, obwohl in Chile kein Impfstoff entwickelt hat oder produziert wird oder millionenschwere Zuschüsse für Entwicklung und Produktion gezahlt wurden.

Okay, nehmen wir Europa. Nicht einmal hier sind wir wenigstens durchschnittlich: die meisten Europäer sind schneller und weiter.

Das eigentliche Problem ist, dass diese politische Unfähigkeit, Impfstoff oder Schnelltests in ausreichender Menge zu beschaffen, von uns allen auszubaden ist: wir alle gehen in einen harten Lockdown, eben weil die große Politik offenbar nichts auf die Reihe bekommt. Wir sind die „Schuldigen“, weil wir Ostern im Kreis der Familie feiern wollten, die Großeltern besuchen wollten. Dabei war uns versprochen worden, dass die „Prio-1-Risikogruppe“ an Ostern schon lange geimpft wären. Unsinn. Meine eigene Mutter wird mit 85 Jahren erst ein paar Tage vor Ostern geimpft werden. Sofern der Termin nicht ein weiteres Mal ausfallen wird, wie zuletzt im Januar geschehen.

Sehen wir die hilflosen „Maßnahmen“ an, die beschlossen werden. Ist eine davon etwa: wir beschaffen Schnelltests, „dass es quietscht“? Oder: Wir kaufen – so wie die Niederlande – Impfstoffe ein, die in Europa „übriggeblieben“ sind. Aber wahrscheinlich sind das nur die, die bei uns übrig waren … Wer weiß also; wieviel von den 20 Mio. Impfdosen übrigbleiben und am Ende auch nach Holland gehen?

Holger Krah

Unterstützungen für Forschungs- und Entwicklungsprojekte

Beitrag von Dr. Dieter Seipler (10.03.2021)

Frage: Welche Unterstützungen erwarten Sie von der Politik bei Forschungs- und Entwicklungsprojekten und bei Investitionen in Produktion und Logistik?

Ich möchte über meine Erfahrungen bei Forschungsprojekten und Auslandsinvestitionen in Tschechien berichten.

Für die Förderung von Forschungsprojekten in der EU muss man in der Regel ein Konsortium bilden. Dabei ist es für die Genehmigung praktisch unumgänglich, einen Kooperationspartner im strukturschwachen Ausland, z.B. Griechenland zu beteiligen. Es muss ein umfangreicher Antrag gestellt werden, in dem versichert wird, dass die Ergebnisse der Forschung veröffentlicht werden, ein Anteil von mindestens 50 % der Kosten vom Unternehmen erbracht werden und regelmäßig über den Projektfortschritt berichtet wird. In großen Konzernen wie Siemens oder Philips gibt es gut besetzte Stabsabteilungen, die das dafür notwendige know how aufgebaut haben und alle Antragsanforderungen erfüllen. Wehe dem kleinen Antragsteller, der sich verspricht, einen nennenswerten Förderbeitrag zu den eigenen Kosten zu erhalten. Nicht selten sind die Aufwendungen für Antragstellung, Berichte und Dokumentation größer als der finanzielle Zuschuss. Deshalb gibt es mancherorts die Devise, Förderprogramme nur zu nutzen, wenn man die Arbeiten ohnehin selbst finanziert hätte. Ich habe deshalb im Allgemeinen vermieden, Förderprojekte zu beantragen.

Noch unvorteilhafter sind Investitionszuschüsse zu Produktionseinrichtungen. In Baden-Württemberg sind wir als nicht wirtschaftsschwache Region von allen Fördermitteln der EU ausgeschlossen. Bei einer Investition im Osten von Tschechien wurden uns bis zu 50 % der Investitionen erstattet, zum Teil mehrere Jahre Steuerfreiheit gewährt. Im Gegenzug mussten wir eine bestimmte Zahl von Arbeitsplätzen garantieren. Dieses System zieht Arbeitsplätze aus Baden-Württemberg ab, ergibt über niedrigere Personalkosten und Investitionszulagen vor Ort dauerhaft einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der lokalen Fertigung hier bei uns. Das wirkt sich in der Folge auf den Preis aus, so dass die Kunden sogar vorschreiben, dass sie aus dem Ausland beliefert werden wollen.

Ich denke, die Politik muss verhindern, dass die Strukturförderung in Europa zu Lasten der heimischen Wirtschaft Arbeitsplätze abzieht, mit unseren Steuermitteln einen unfairen Kostenwettbewerb verursacht und uns zwingt, die Wertschöpfung in Baden-Württemberg zu verringern.

Ebenso kritisch sehe ich es, wenn die Politik die Richtung der technischen Lösungen zum Beispiel bei Umweltfragen vorgibt. Ein Beispiel ist der batterieelektrische Antrieb im Vergleich zu Verbrennern mit CO2-freien E Fuels.

Warum gibt die Politik nicht endlich synthetische Kraftstoffe frei, die kompatibel mit den fossilen Kraftstoffen flexibel zugemischt werden könnten, um den CO2 Ausstoss der Bestandsflotte von 50 Millionen Fahrzeugen in Deutschland schnell und stark zu senken. Diese Kraftstoffe müssten wie Elektroladungen steuerfrei sein, im Flottenverbrauch und der CO2 Bilanz mit 0 angerechnet werden und hätten damit schon kurzfristig die besten Aussichten auf einen schnellen wirtschaftlichen Einsatz.

Auch der Einsatz von E Fuels, von Wasserstoff und Methan bei der Stromerzeugung würde das technische Problem der Volatilität von regenerativem Strom lösen helfen. Ich kann nur hoffen, dass die Politik schnell diesen Lösungsweg unterstützt und der Wirtschaft nicht im Wege steht.