Kompost, Müll

Lebensmittelverschwendung – ein heißes Eisen!

Lebensmittelverschwendung – ein heißes Eisen!

Das Thema der Lebensmittelverschwendung ist aktuell ein heißes Eisen.

Wie der Schwarzwälder Bote am 19.8.2020 berichtete, machten sich 2 Studentinnen in München im November 2019 nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichtes (Az.:BvR 1985/19, 2 BvR 1886/19) strafbar, weil sie weggeworfene Lebensmittel aus Containern eines Supermarktes mitgenommen haben. Auch bei wirtschaftlich wertlosen Sachen dürfe der Gesetzgeber grundsätzlich das zivilrechtliche Eigentum schützen.

Eine Verfassungsbeschwerde gegen die Verurteilung der beiden Studentinnen wegen Diebstahls nahm das Verfassungsgericht nicht zur Entscheidung an.

Pauschal gilt also: Recht geht vor moralischem Handeln.

Wie läuft es mit der Lebensmittelverschwendung im Ausland?

Da gibt es schon seit einigen Jahren in Frankreich, Belgien und Tschechien gesetzliche Regelungen.

Aus Bundesrat Drucksache 429/19:

Ein in Frankreich seit 2016 geltendes Gesetz schreibt u. a. Folgendes vor: • Lebensmittelhändler sollen Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittel-Abfällen ergreifen, insbesondere durch bedarfsgerechte Bestandsführung; • Supermärkte ab einer Größe von 400 m² sind verpflichtet, eine Vereinbarung mit gemeinnützigen Organisationen über das Spenden von Lebensmitteln zu schließen, die andernfalls als Abfall entsorgt würden. Erste Erfahrungen zeigen einen deutlichen Anstieg der Abgabe von Nahrungsmitteln an Hilfsorganisationen. Rechtliche Regelungen, die auf eine Reduzierung von Lebensmittelverschwendung abzielen, wurden beispielsweise in Frankreich 2014 und in der belgischen Region Wallonien, 2016 in Italien und 2019 in Tschechien verabschiedet. Frankreich plant mittlerweile eine Erweiterung der gesetzlichen Verpflichtung zu Spenden von Lebensmitteln an gemeinnützige Organisationen auch auf die Bereiche Gastronomie und Lebensmittelindustrie. Die Erfahrungen mit freiwilligen Lösungen wie in Deutschland einerseits und verpflichtenden Regelungen wie etwa in Frankreich andererseits machen deutlich, dass es einer gesetzlichen Verpflichtung des Handels zur Abgabe genießbarer, einwandfreier Lebensmittel bedarf, um der Lebensmittelverschwendung wirkungsvoller entgegenzuwirken

Und diese Gesetzesinitiative der Bundesländer Hamburg, Bremen und Thüringen wurde in der Sitzung des Bundesrates am 11.10.2019 abgelehnt.

Wie sind die Fakten?

  1. Laut einer Studie der Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund For Nature)

aus 2015 landen über 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel in Deutschland pro Jahr im Abfall, davon wären 10 Mio to vermeidbar.

Die Verluste entstehen entlang der Wertschöpfungskette anfangend bei der Primärproduktion, dann die Verarbeitungsverfahren, Transport, Lagerung und Handel bis zum Endverbraucher.

  1. 2,58 Mio to oder 14% der Verluste entstehen auf der Ebene des Groß- und Einzelhandels aufgrund von Verteilungsverlusten.

Hiervon wären 2,4 Mio to vermeidbar, da die meisten Lebensmittel auf dieser Verteilerstufe konsumfertig sind.

Die Gründe für den Verlust sind hier vor allem Marketingentscheidungen der Händler und Konsumentenerwartungen an Frische und Verfügbarkeit, an Optik und Texur der Lebensmittel; gesundheitliche Risiken, die zu einem Ausschluß der weiteren Verwendung der Ware als Lebensmittel.

Die Verluste betreffen überwiegend Frischwaren wie Brot und Backwaren sowie Obst und Gemüse, einen geringeren Anteil haben Fleischwaren, Milchprodukte.

  1. Eine GFK-studie aus dem Jahr 2017 führt die Zusammensetzung der vermeidbaren Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten (ohne Getränke) auf.
  • 38% Obst und Gemüse
  • 25% Fertiggerichte und Speisereste
  • 16% Brot und Backwaren
  • 10% Milchprodukte
  • 6% Sonstiges
  • 5% Fisch und Fleisch
  1. In Deutschland gibt es 947 Tafeln, davon Baden-Württemberg mit 146 Tafeln an 3.Stelle hinter Nordrhein-Westfalen mit 168 und Bayern mit 165 Tafeln.

Alle Tafeln setzen im Jahr ca. 265.000 to Lebensmittel um.

  1. Eine Untersuchung von Herrn Robin Avram in RBB Exklusiv vom 16.9.2019 in Berlin ergab, daß jede zehnte „Schrippe“ im Müll landet.

„ Obst, Gemüse, Brot und Milch: Jeden Tag schmeißen Supermärkte in Berlin und Brandenburg tonnenweise Lebensmittel weg, die noch voll verzehrfähig sind.

Die RBB-Recherchen zeigen: Nur wenige Supermarkt-Ketten wollen das radikal ändern- andere Bremsen.“

  1. Aus der Praxis: Meine Frau stand am Samstag, 29.8.2020 an der Kasse bei Lidl, Rottweil.

Dort war ein Viertel Pfund Butter gelegen. Auf ihre Frage, ob sie die Packung Butter zurücklegen soll ins Tiefkühlregal, antwortete die Kassierin, nein, die Packung müsse weggeworfen werden, da die Kühlkette unterbrochen worden sei.

Die Konferenz der Justizminister hat sich im Juni 2019 mit dem Thema Lebensmittelverschwendung befasst.

Sie spricht sich für eine verstärkte Abgabe von noch verwertbaren Lebensmitteln aus.

Hierfür hat sich auch die Konferenz der Verbraucherschutzministerkonferenz im Mai 2019 ausgesprochen und den Bund um Prüfung gebeten, ob bei der Entstehung von Lebensmittelabfällen durch gesetzliche Regelungen entgegengewirkt werden kann.

Dabei sollten u.a. Verpflichtungen zur Abgabe noch genießbarer, lebensmittelhygienisch einwandfreier Lebensmittel betrachtet werden.

Was wollen wir Freie Wähler?

Wir wollen ein Lebensmittelverwendungsgesetz, daß die Wegwerfmentalität noch geniessbarer Lebensmittel beendet.

Frankreich, Tschechien und Belgien machen es vor.

Das fängt bei der Ernte an, viele Lebensmittel werden weggeworfen, weil sie nicht der Norm entsprechen.

Auf dem Transport geht vieles in den Schwund, weil die Transportwegen zu lange und zu umständlich sind.

Die Lagervorhaltung bei den Groß- und Einzelhändlern und bei den Discountern ist ein schwieriges Thema und bringt einiges an Auschuß

Und am Schluss der Kette die Wegwerfmentalität von uns Verbrauchern.

Und da sind wir alle gefordert.

Leider ist es bisher bei heißer Luft und Lippenbekenntnissen geblieben.

Gez. Roland Dreizler

Forschung und Entwicklung

Anteile der internen Ausgaben für Forschung und Entwicklung 2018 in Baden-Württemberg

1.09.2020

Die Anteile der internen Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Jahr 2018 wurden vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht und am Bruttoinlandsprodukt nach Bundesländern und Sektoren in Prozent veröffentlicht. Die Daten wurden in die Sektoren Hochschulen, Wirtschaft, Staat (private Institutionen ohne Erwerbszweck) und insgesamt unterteilt.

Der Anteil der internen Ausgaben für Forschung und Entwicklung vom Staat sind in Baden-Württemberg mit 0,40 % begrenzt. Mit dieser Zahl ist Baden-Württemberg auf Platz acht von sechzehn. Platz eins ist hier Berlin mit 1,27 % und der letzte Platz wird mit 0,19 % von Rheinland-Pfalz belegt. Der Unterschied zwischen Platz eins und sechzehn ist drastisch und Baden-Württemberg ist trotz der Platzierung auf Platz acht näher an Rheinland-Pfalz wie an Berlin. Für uns in Baden-Württemberg ist somit zu folgern, dass unsere staatliche Unterstützung für Forschung und Entwicklung schwach bleibt und hier erhebliche Änderungen stattfinden müssen.

Aus den Daten kann abgelesen werden, dass die Ausgaben für Forschung und Entwicklung von Hochschulen gleichmäßiger verteilt sind wie die vom Staat, wodurch Baden-Württemberg mit 0,52 % auf Platz zehn landet. Der erste Platz wird hier mit 0,86 % wieder von Berlin belegt und der letzte Platz wird mit 0,39 % von Brandenburg besetzt. Im Gesamtdurchschnitt von Deutschland haben die Hochschulen einen Anteil von 0,55 % und der Staat von 0,42 % womit die Hochschulen über alle Bundesländer verteilt eine bessere Verteilung haben als der Staat, obwohl beide Anteile äußerst niedrig bleiben.

Auch wenn Baden-Württemberg in Hinsicht auf Hochschule (0,52 %) und Staat (0,40 %) einen niedrigen Platz bei den Ausgaben belegt, ist unser Bundesland dank der 4,76 %, die die Wirtschaft für Forschung ausgibt, besser als die anderen Bundesländer. Insgesamt ist Baden-Württemberg mit 5,68 % auf Platz eins. Somit wird diese Platzierung durch die hohen Ausgaben im Sektor Wirtschaft erreicht. Ohne unsere Wirtschaft würden wir somit in der Forschung und Entwicklung unseren momentanen Platz nicht erreichen und halten können

Wir Freie Wähler fordern deshalb:

  • Erhöhung der Landesausgaben für Forschung und Entwicklung
  • Stärkere Unterstützung der mittelständischen Unternehmen bei F & E-Aufwendungen
  • Unbürokratische Abwicklung der F & E-Anträge

Verfasst von: Defne ilayda Dayi (Studentin im Bereich Process Engineering and Biochemical Engineering)

Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden; Stifterverband Wissenschaftsstatistik, Essen; Arbeitskreis Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Länder